Rezension

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Rezension “VISIER Special 46 - Schießen mit Druckluftwaffen”

Insgesamt ist das zweite „VISIER“-Special zum Thema Druckluftwaffen sicher eine Kaufempfehlung wert. Prädikat lesenswert! - Leider gibt es zum Thema ja insgesamt nicht gerade viele Publikationen in deutscher Sprache. Hier wird Hobbyeinsteigern und interessierten Lesern ein breiter Einblick ins Thema „Schießen mit Druckluftwaffen“ ermöglicht.

Aus meiner Sicht möchte ich allerdings auch einige kritische Bemerkungen zu diesem Heft loswerden:

- Wer von diesem „Special“ eine breite Modellübersicht zur Orientierung, oder gar Produktvergleiche nach festen Kriterien erwartet, der wird enttäuscht sein. Anstelle z. B. eines tabellarischen Katalogteils als Über- sicht über die Modellvielfalt, findet man eine Händler- und Herstellerliste im Anhang. Die ist zwar auch nützlich, ich denke jedoch, den jeweiligen Waffenanbieter hätte man auch als Zusatzinfo in besagte Modellübersicht integrieren können. Für Anfänger ist dergleichen stets ein hilfreiches und daher gefragtes Mittel sich zu Recht zu finden. Im redaktionellen Teil werden überwiegend die gängigsten und beliebtesten Modelle behandelt, was  zwar ein gewisses Empfehlungsspektrum aus Sicht des jeweiligen Autors darstellt, aber leider keinen konkreten Abgleich bietet.  

- Beinahe völlig außen vor bleiben leider die einschüssigen Luftpistolen (Federdruck / Vorkomprimierer). Aus meiner Sicht etwas unverständlich, wenn auf der anderen Seite Softairwaffen im Heft behandelt werden (10 Seiten). Die stellen zwar auch eine recht interessante Gattung freier Waffen dar, sind aber eher ein eigenes Thema um nicht zu sagen, ein eigener Kosmos, mit viel Stoff für ein separates VISIER-Special. Als Beitrag in diesem Heft also eher etwas deplaziert wirkend, vor allem wenn dafür themennähere Druckluftwaffen wie erwähnt ausgespart werden.

- Auf  Seite 64 ff. wird - wieder einmal - die Schießsport-Disziplin „Field Target“ breit und detailliert behandelt und auf 10 Seiten besonders hervorgehoben. – „Warum immer wieder „Field Target“ und in dieser Ausführlichkeit?“, fragt man sich. - So wird die aus England stammende Jagdsimulation für Luftgewehre eher von einer kleinen „Randgruppe“ ausgeübt und findet überdies schon im monatlich erscheinenden Magazin „VISIER“ sporadisch fortgesetzte Berichterstattung. Sie war auch im ersten Druckluftwaffen-„Special“ in einem größeren Kapitel behandelt worden. Sicher, „FT“ lässt sich auch mit gebräuchlichen „Freien“ Luftgewehren - unter Verwendung des erforderlichen Zusatzequipments - ausüben. Irgendwie aber ist dies ziemlich unausgewogen, wenn man bedenkt, dass es eine Vielzahl an ebenfalls sehr interessanten Disziplinen gibt, die von weit aus mehr Schießsportlern ausgeübt werden, und daher vermutlich auf breiteres Interesse stoßen würden. – Natürlich kommen im Heft auch andere Schießsportsparten und -facetten zur Betrachtung, aber eben deutlich weniger ausführlich und mit geringerer Gewichtung. Die „FT“-Fans wird es freuen, Leute mit anderer Interessenlage sind eher verwundert über dieses Ungleichgewicht.  

- Für mich ein absoluter, und nach unten deutlich herausragender Tiefpunkt des „Special 46“, sind in Teilen die Aussagen und Beurteilungen des Autoren mit dem Namenskürzel „P.P.“ im Artikel über die CO2-Actionwaffen (S. 48 ff.). Ich erlaube mir das Zitat einer Textpassage, die bei mir für lange anhaltendes Kopfschütteln gesorgt hat:

(Hinweis meinerseits: Gemeint ist mit Unterhebelrepetierer das UMAREX "Walther Lever-Action"-CO2-Gewehr / Hervorhebungen im Text wurden von mir vorgenommen)

(Zitat) Der Unterhebelrepetierer zeigte ein Phänomen, das bei allen Action-Waffen anzutreffen war: Wildes Sturmschießen macht nicht nur mehr Spaß - die Treffer halten auch überwiegend den Spiegel. Im präzisen Einzelschuss sorgt die Waffe für grauenvolles Verreißen. Das Gewehr schießt ohne Zweifel gut, das demonstriert es auf geradezu boshafte Weise, wenn beim Nachhalten das Korn wie ein Fels auf dem Fehlschuss ruht. Zwei, drei Trommeln möglichst schnell leerrepetiert hilft aber dann enorm gegen den Frust.    (Zitat Ende)

Sorry, aber man muss es so deutlich sagen: Das ist blanker Unsinn und führt gerade die mit diesem Heft vorrangig angesprochenen Hobbyeinsteiger und Neuinteressenten dieser Waffengattung völlig in die Irre, veranlasst vielleicht sogar zum Kaufverzicht! - Natürlich machen schnelle Schussfolgen den Spaß an mehrschüssigen CO2-Waffen aus, aber mit Waffen der Klasse eines „WLA“ oder „Desperado“, „TM-TCR“, „TM-Shooter“, „850 Airmagnum“, etc., lassen sich im Einzelschussmodus sehr enge Gruppen schießen. Das hat mit "gerade mal den Spiegel halten" wenig bis gar nichts zu tun. – Wer mag kann sich hier auf „muzzle.de“ anhand etlicher publizierter Schussbilder von der hervorragenden Präzision dieser Waffenmodelle ein Bild machen.  „Grauenvolles Verreißen“ sieht wohl wahrlich anders aus und von „Frust“ dürfte gleich gar keine Rede sein. - Mal ganz abgesehen von der unsinnigen Verallgemeinerung, dass angeblich "alle Actionwaffen im präzisen Einzelschuss für grauenvolles Verreißen" sorgen würden, kann ich das auch in speziellen Einzelfällen absolut nicht nachvollziehen.

Man bezweifelt die “Sporttauglichkeit” der neuen “Beretta Cx4 Storm”, ohne dass der Hersteller UMAREX jemals mit diesem Anspruch für das Action-Modell angetreten wäre.

Verwendete Ausdrücke wie „wildes Sturmschießen“ tun ihr Übriges, um zeitweise einen eher mäßigen Eindruck von diesem Beitrag zu generieren. Auch wenn es sich hier um „Freie Waffen“ handelt, so ist ein sicherer und zuverlässiger Umgang damit stets sinnvoll und erforderlich. Schnell abgegebene Schussfolgen sind mit „wildem Sturmschießen“ nun mal nicht gleich zu setzen. Ein recht unpassendes Vokabular mit Beigeschmack und negativer Außenwirkung. Immerhin kommt der Verfasser an etlichen Stellen, und auch in seinem Fazit, zu einer Gesamtaussage mit durchweg positiver Attitüde und einem Lob für die deutschen Hersteller der High-End- Produkte.

Alles in allem ein Beitrag, der die gute Gesamtqualität des Heftes nicht vollumfänglich wieder spiegelt, weil er nicht nur interpretationsfähige sondern tatsächlich falsche Aussagen enthält. – Schade! –

GUNIMO

September 2007

 

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